-->
Posts mit dem Label Cinema werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Cinema werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 5. Februar 2010

There will be cinema

Wenn man sehen will, was im Kino gerade falsch läuft, sollte man sich "Zeiten ändern dich" anschauen - ein Film mit Bushido und einem selten dämlichen Titel. Wie gut Kino sein kann, sieht man ab 11. Februar auf der Berlinale, denn dort gibt es wieder ein paar Schätze zu entdecken.


Ganz hohe Erwartungen schüren diese Filme:

Metropolis von Fritz Lang


Foto: Filmhauskino Nürnberg
Die restaurierte Originalfassung von Fritz Langs Metropolis wird erstmals gezeigt und zwar 83 Jahre nach der Premiere des Films.
läuft am Donnerstag, 12. Februar im Friedrichstadtpalast, im Filmhauskino Nürnberg läuft ab heute eine Fritz-Lang-Retrospektive

Cindy liebt mich nicht von Hannah Schweier
Der Roman von Juan Moreno und Jochen-Martin war eines der hübschesten Debüts der letzten Jahre. Die beiden schreiben ja sonst für Spiegel, Sueddeutsche und Co., haben aber auch ein Herz für lange Geschichten. Das Buch muss man unbedingt gelesen haben, um zu verstehen, wie Barmänner ticken.
läuft am Dienstag, 16. Februar um 13 Uhr im Colosseum 1

Gigola von Laure Charpentier
Lou Doillon, die Tochter von Jane Birkin, kannte ich bisher nur das der InStyle. Jetzt spielt sie in diesem französischen Film mit, der das Nachtleben im Pariser Stadtteil Pigalle in den sechziger Jahren zeigt
läuft am 13.und 16. Februar um 14.50 bzw. 16.15 Uhr im CinemaxX 19

Two in the wave von Emmanuel Laurent
François Truffaut und Jean-Luc Godard sind vom Einfluss auf die Filmgeschichte ungefährt so wie John Lennon und PaulMcCartney für die Musik. Und befreundet waren sie auch noch, wovon dieser Film erzählt, der auf dem Drehbuch von Antoine de Baecque basiert.
läuft am 14. und 16. Februar um 15:00 bzw. 17:20 im CinemaxX 19

Dienstag, 26. Januar 2010

Gucci goes cinema: der Film "A Single Man" von Tom Ford


Foto: Senator Film Verleih


Was kommt heraus, wenn einer der größte Ex-Modedesigner der Welt einen Film macht? Eine Couture-Show? Ein langer Werbespot? Man könnte Tom "Ex-Gucci-Chefdesigner" Fords Film "A Single Man" (mit Colin Firth und Julianne Moore in den Hauptrollen), der ab März 2010 in den deutschen Kinos läuft, ankreiden, dass er die Schönheit glorifiziert, dass er sie auf einen Altar stellt, dass er ihr allein huldigt, dass sein Film oberflächlich ist, eine Gucci-Reklame ist, eine Ausstattungsorgie. Dass er kein Drehbuch, sondern ein Modemagazin verfilmt hat.
Man könnte. Doch auf der Metaebene erzählt der Film "A single man", der auf dem Buch von Christopher Isherwood basiert, von Sinnsuche, der Furcht vor dem Tod, Liebe und variiert den ewig relevanten Dorian-Gray-Stoff auf intelligente Art und Weise.
George Falconer (Colin Firth) ist Universitätsprofessor in Stanford. Er verlor seinen Lebensgefährten Jim und hadert seit diesem Schicksalsschlag mit seinem Leben. "A single man" zeigt einen Tag in Falconers Leben und erinnert an Stephen Daldrys "The Hours" und Luchino Viscontis "Tod in Venedig". Die Kamera folgt Falconers Weg in den Hörsaal, bei seinen Gesprächen mit einem jungen Studenten, der ihn bewundert, in die Villa seiner ehemaligen Liebschaft Charley (Julianne Moore) und in eine Bar, in der er einst Jim traf.
"Don't you miss this what we could have been together?", fragt Charley, Falconers Jugendliebe, als sie neben ihm auf dem Flokati-Teppich ihrer glamourösen Villa liegt, trunken und sehnsüchtig. Die verpasste Option als ewiges Damoklesschwert über dem Haupt. Unbetretene Wege und versäumte Träume werden zu Albträumen und rauben Nacht für Nacht den Schlaf. Unerfüllte Liebe als ewige Vision. Genau davon erzählt Fords Film.

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Gloriose Filme und herbe Enttäuschungen 2009

Was waren die Goldstücke?

Platz 1
"(500) days of summer" von Marc Webb ist auf den ersten Blick einmal mehr ein Aufguß des niemals sterbenden Boy-meets-Girl-Filmstoffes, andererseits so reizend und liebevoll umgesetzt wie selten. Die nüchterne Darstellung von Zooey Deschanel korreliert ideal mit der Figur von Summer, aber der eigentliche Star des Ensembles ist Joseph Gordon-Levitt als Tom, der so grandios leidet, das man ergriffen mit ihm fühlt. Und dann trägt er auch noch mein Lieblings-T-Shirt mit The Clashs "London Calling"-Cover. Wunderbar! Der Soundtrack mit The Smiths, Regina Spektor und The Clash ist eh zum Verlieben. Der Film schafft es tatsächlich, den Schmerz, die Freude und die Verzweiflung, die Liebe auslöst, so zu zeigen wie selten in den letzten Kinojahren.
Allein für einen Dialog wie diesen muss man den Film einfach gern haben:

Summer: We've been like Sid and Nancy for months now.
Tom: Summer, Sid stabbed Nancy, seven times with a kitchen knife, I mean we have some disagreements but I hardly think I'm Sid Vicious.
Summer: No I'm Sid.
Tom: Oh, so I'm Nancy...
[Pancakes arrive]
Summer: Let's just eat and we'll talk about it later. Mmm, that is good, I'm really glad we did this. I love these pancakes... what?
[Tom gets up and walks away from the table]
Summer: Tom, don't go! You're still my best friend!


Platz 2
"Alle anderen" von Maren Ade zeigte die Coolness des deutschen Kinos. Bereits mit ihrem Debütfilm "Der Wald vor lauter Bäumen" bewies sie großes Regietalent. Im aktuellen Film ging sie noch professioneller zur Sache. Ades Dialoge sind von umwerfend schlichter Prägnanz, ihre Hauptdarsteller lebensnah, verletzlich, überdreht und herrlich eigensinnig. Mehr von dieser Regisseurin in den nächsten Jahren, die hoffentlich ihrer behutsamen Erzählweise treu bleibt.

Platz 3
"Antichrist" war insgesamt betrachtet eine Zumutung. Und was für eine, halleluja. Szenen mittelalterlich anmutender Foltermethoden werden an traumschöne Sequenzen gereiht. Lars von Trier liefert darin die schönste Eröffnungsszene des Jahres ab. Selten untermalte Händel eine Filmszene besser. Eigentlich unnötig der Hinweis, das nur ein depressiver Charakter einen solchen Film machen kann.

Platz 4
Eigentlich bin ich kein Clint Eastwood-Fan, verneige mich aber trotzdem vor seinem Film "Changeling", der Angelina Jolie (bekam eine Oscar-Nominierung für ihre Rolle der Christine Colins, deren Sohn entführt wird) und John Malkovich glänzen ließ.

Platz 5
"He's just not that into you" ist pures Spaß-Kino. Ohne Jennifer Aniston, Scarlett Johansson, Drew Barrymore und Justin Long wäre der Film von Ken Kwapis wahrscheinlich komplett missraten. Einen Film mit derselben Portion Selbstironie würde ich mir aber trotzdem mal aus Deutschland wünschen.

Platz 6
Von Christian Petzolds Jerichow hatte ich mir viel erwartet und wurde keine Sekunde enttäuscht. Einer der besten deutschen Regisseure.


Platz 7
Lourdes ist der dritte Spielfilm der österreichischen Regisseurin Jessica Hausner und ihr bedächtigstes Werk. Die philosophischen Fragen, die der Film aufwirft, beschäftigen einen noch lange. Sylvie Testud spielt die Hauptrolle grandios.


Wofür hätte man sich den Eintritt 2009 sparen können?

Platz 1

Es hatte schon seinen Grund, warum 87 Jahre lang niemand auf die Idee kam, die Geschichte des amerikanischen Schriftstellers F. Scott Fitzgerald, die den Held rückwärts altern lässt, zu verfilmen. 2008 wagte sich dann doch David Fincher an The curious case of Benjamin Button. Die erste Stunde des Films ist einschläfernd wie ein Nachmittag im Altenheim. Unklar bleibt die Flucht Benjamins (Brad Pitt) aus New Orleans, die mit seiner Angst vor seiner drohenden Verjüngung und den daraus resultierenden Unmöglichkeit, die Liebe zu Daisy (Cate Blanchett) weiter zu leben, für meine Begriffe unzureichend erklärt wird. Ein Juwel der Kinogeschichte? Allenfalls eine Meisterleistung der Maskenbildner.

Platz 2
Ein verwirrender Plot machen Tom Tykwers ersten Blockbuster The International zu einer unbedeutenden Fußnote seines Filmschaffens.

Platz 3
Der einzige Darsteller in Inglourious basterds, der nuancierte Schauspielkunst in dieser Nazi-Posse bot, war Christoph Waltz - ihm zuzusehen ist eine wahre Freude. Ansonsten hat sich Tarantino von starken Charakteren wie John Travolta, Uma Thurman, Samuel L. Jackon und Bruce Willis in Pulp Fiction allerdings Lichtjahre entfernt. Der Film leidet an der oberflächlichen Charakterisierung seines Personals und ist ästhetisch belanglos. Positiv sind dagegen die wie immer bei Tarantino detailliert und auf den Punkt gebrachten Dialoge.
Fazit: ein schwacher Auteur spielt perfekt mit allen ihm zur Verfügung stehenden Genre-Elementen von Western über Komödie bis Kriegsfilm und beweist große Kreativität bei der Wahl seiner Mordwerzeuge. Tarantino hat sein Pulver verschossen und das schon seit geraumer Zeit.

Platz 4
Ich bin kein Fan der Komödien von Ethan und Joel Coen, obwohl sie ja den Humor der Indie-Kino-Fangemeinde seit Fargo treffen. Thriller (Country for old men) können sie viel besser. Burn after reading hat mich enttäuscht. Ein missraten-plattes Lustspiel: man lässt sich im Kinosaal berieseln, denkt "Könnte schlimmer sein" und trinkt dazu am besten ein paar Bier.

Donnerstag, 5. November 2009

Histoire du cinéma

„Das Kino nach meiner Vorstellung oder meinem Wunsch
und meinem Unbewussten, das sich jetzt bewusst ausdrücken lässt,
ist die einzige Art und Weise, etwas zu machen, zu erzählen, sich Rechenschaft abzulegen, dass ich als Ich eine Geschichte habe,
aber dass, wenn es kein Kino gäbe, ich nicht wüsste, dass ich eine Geschichte habe“ (Jean-Luc Godard, Histoire(s) du cinéma)

Wenn das Truffaut noch erlebt hätte... gerade habe ich mir ein Werk aus dem Suhrkamp-Verlag gekauft, das wahrscheinlich das reduzierteste Cover seit langem hat, das so schön ist, das man darin versinken möchte. Jean-Luc "Filmgott" Godard erzählt darin die Geschichte oder die Geschichten des Kinos: "Das Kino ist eine Idee des 19. Jahrhunderts, die ein Jahrhundert gebraucht hat, um sich zu verwirklichen und zu verschwinden".

Montag, 26. Oktober 2009

When movies adapt reality it's DOK time


Foto: Dok Leipzig
Dieses Jahr werde ich dem Dokumentarfilmfestival Leipzig, das heute begonnen hat, mehr Aufmerksamkeit als in den Jahren zuvor widmen. Ein Film liegt mir dabei besonders am Herzen.

On the other side of life (2009)
Der Film der beiden Deutschen Stefanie Brockhaus und Andy Wolff ist ein Coming-of-age-Drama. Zwei Jungen, Lucky und Bongani, aus einem Township Kapstadts, ohne Zukunft, ohne Geld, völlig haltlos in einer Welt, die sie ablehnt. Sie schnorren sich durchs Leben, hier ein Mädchen, dort ein Joint. Dann geschieht ein Mord. Ein Diskurs über die Zerrissenheit Afrikas.

Samstag, 17. Oktober 2009

Der Menschenvernichter

Skandal, Provokation, Erleuchtung - die Kritik taumelte zwischen Begeisterung und Verachtung angesichts Lars von Triers "Antichrist". Mit dem Titel macht der Regisseur ganz klar, wohin die Reise geht: Hölle, Teufel und Folter - das bekommt der Zuschauer serviert. Dabei legt der Film zunächst eine falsche Fährte. Das Kind eines Paares stürzte aus dem Fenster seines Kinderzimmers in den Tod. Wie im psychologischen Drama werden die Trauerarbeit und die Gespräche des Mannes und der Frau, deren Namenlosigkeit den Abstraktionsgehalt des Filmes unterstreicht, erzählt. Allein das Kind des Paares, das im Epilog den romantischsten Filmtod starb, den man je bei einem Kleinkind gesehen hat, trägt einen Namen: "Nic". Aber schnell wird klar, dass es überhaupt nicht um das Kind, sondern nur um die Paarbeziehung geht.
Sie (Charlotte Gainsbourg) kämpft mit einer scheinbar durch den Tod des Kindes ausgelösten Psychose, er (Willem Dafoe) als erfahrener und rational orientierter, gleichzeitig höchst verständnisvoller Therapeut sucht in der Gesprächs- und Konfrontationstherapie scheinbar Heilung seiner Frau. Die Reise in eine Waldhütte als Reise in das Herz der Finsternis zerschmettert die Handlung mit einem Schlag. Im Wald eskaliert das Zusammensein der beiden, wendet sich von einer zur anderen Sekunde in Brutalität und Gewalt.
Die Fragmentierung des Films manifestiert von Trier anhand der Kapitelstruktur. Prolog und Epilog, unterlegt von der wunderschönen Arie aus Händels Oper "Rinaldo" mit dem passenden Titel "Lass mich beweinen mein grausames Schicksal" sind optisch eine Freude. Dazwischen vermischen sich oberflächlich schöne Szenen mit Akten dumpfer Brutalität - letztere dem Horrorgenre entliehen inklusive Verfolgungsjagd mit gehandicaptem Opfer und Täterin (hier ist es SIE), die das Opfer ohne einen in der Filmhandlung begründeten Auslöser töten will. Ihre Mordlust basiert allein auf einer mittelalterlich begründeten überirdischen Vorstellung des Teuflischen, des Antichristen an sich, der dieser Frau innewohnt.
Was bleibt nach der Rezeption, wenn die Lichter im Kino angehen? Distanz zum Geschehen, zu den Figuren, zur Geschichte. Vielleicht keine emotionale Kälte, aber doch Leere.

Montag, 7. September 2009

Das Schweigen - ein Film aus Franken oder Dreharbeiten im cineastischen Brachland


Foto: Blond PR

Nürnberg und Umgebung sind nicht gerade als filmaffine Region bekannt. Trotzdem wurde im August der Film Das Schweigen von Regisseur Baran bo Odars, einem 31-jährigen gebürtigen Schweizer, gedreht. Es ist sein erster Spielfilm.
Der Film spielt in einer fiktiven deutschen Stadt und erzählt von fünf heißen Sommertagen, der Zeit, in der die Hitze über der Stadt wie eine schwere Decke liegt. Der 13-jährige Junge Sinikka verschwindet. Er wurde zuletzt am selben Ort gesehen, an dem 23 Jahre zuvor ein Mädchen getötet wurde. Für die Eltern von Sinikka und Pia, des getöteten Mädchens, beginnt eine Zeit der Angst und der wiederkehrenden quälenden Erinnerungen.
Da der Film mit Sebastian Blomberg, Wotan Wilke Möhrung, Burghart Klaußner (zuletzt in Das weiße Band von Michael Haneke zu sehen) und Katrin Saß hervorragend besetzt ist, bin ich gespannt auf das Frühjahr 2010, wenn Das Schweigen im Kino anläuft.

Samstag, 5. September 2009

Qu'est-ce que le cinéma? La Nouvelle Vague


Foto: Cineaste.com
Die Nouvelle Vague ist für mich von jeher ein Synonym für Jugendlichkeit und Moderne. Jetzt wird sie tatsächlich schon 40 und die Cinématheque Française feiert deshalb eine Retrospektive.

Bonjour Deauville

Deauville ist ein Ort der unerfüllten Sehnsüchte. Er war es für Françoise Sagan und Gabrielle "Coco" Chanel, deren Biografien vor kurzem verfilmt wurden. Da Filme US-amerikanischer Provenienz in Frankreich spätestens seit François Truffauts Le Cinéma selon Alfred Hitchcock von 1967 auf breite Akzeptanz gestoßen sind, wird in Deauville seit 1975 jeden September das Festival du Cinéma Americaine gefeiert, das gestern begonnen hat. Gewürdigt wird dieses Jahr der amerikanische Regisseur Robert Aldrich, dessen wunderbarer Film Noir Kiss me deadly leider ein wenig in Vergessenheit geraten ist, was nicht an fehlender Spannung, sondern eher am unbekannten Ensemble des Filmes liegt. Ehrengast in Deauville ist - sympathisch unoriginell - Harrison Ford, der nach The fugitive von 1993 keinen guten Film mehr gemacht hat, wenngleich seine Leistung in Blade Runner jegliche cineastische Ehrung mehr als rechtfertigt. Außerhalb des Wettbewerbs läuft Richard Linklaters Me and Orson Welles mit Claire Danes und Zac Efron an, ein Film über das Theater. Im New York des Jahres 1937 ergattert der Student Richard Samuels eine Rolle in Julius Cäsar, das von Orson Welles inszeniert wird. Bisherige Kritiken betrachteten Linklaters wohlwollend, Efron wird teilweise müde belächelt.

Donnerstag, 3. September 2009

Beauty dies young - Jean Seberg Icon

Vor fast 30 Jahren - am 30. August 1979 - starb Jean Seberg. Sie stammte ja aus Iowa, dem wenig spektakulären US-Bundesstaat, in dem ich 2001 einen Aufenthalt bei Bekannten meiner Familie in einem Altersheim in Cedar Rapids verbrachte und in einem Bett nächtigte, über dem zwei gekreuzigte Gewehre hingen. Auch mal schön. Seberg verließ die Provinz, traf erst auf Otto Preminger, der sie als Cecile in Bonjour Tristesse besetzte und 1960 auf Jean-Luc Godard, der sie mit Jean-Paul Belmondo in À bout de souffle, ihrem besten Film, inszenierte. Niemand vor oder nach ihr trug ein geringeltes T-Shirt je wieder mit größerer Eleganz und niemand sah mit einer blonden Kurzhaarfrisur je wieder hübscher und moderner aus. Die Zeit hat Seberg ein entzückendes Porträt gewidmet.
Seberg war mit dem in Litauen geborenen Schriftsteller Romain Gary verheiratet, beide hatten einen gemeinsamen Sohn, Alexandre Diego Gary, der seine Autobiographie S. ou l'espérance de vie veröffentlicht hat. Johanna Adorján hat darüber einen beeindruckenden Bericht in der FAZ geschrieben.

Von Antichristen und Whiskytrinkern

Zwei Filme - einer von einem deutschen und einer von einem dänischen Regisseur - werde ich mir in den nächsten zwei Wochen auf Zelluloid ansehen. Der erste Film auf der To-Watch-Liste ist Andreas Dresens Whisky mit Wodka, für den wieder einmal der großartige Wolfgang Kohlhaase das Drehbuch geschrieben hat, der mich schon mit seinen Arbeiten Berlin Ecke Schönhauser, Die Stille nach dem Schuss und Sommer vorm Balkon beeindruckt hat. Ich erhoffe mir also ein authentisches Schauspiel mit den ehrenwerten Herrschaften Henry Hübchen und Corinna Harfouch.
Der zweite Pflichtfilm, wenn auch ein Stoff mit erbarmungslosem Depressionspotenzial, ist Lars von Triers Antichrist, über den ja bereits im Rahmen der diesjährigen Filmfestspiele von Cannes berichtet wurde und ein Sujet, das Elfriede Jelinek noch einmal im aktuellen Cargo-Magazin (eine junge und wunderschöne Zeitschrift) aufgreift.

Samstag, 22. August 2009

Mr. Tarantino, was haben Sie sich dabei nur gedacht?

Tarantinismus is back: Quentin Tarantino ist ja in diesen Tagen im deutschen Feuilleton wieder mächtig en vogue. Inglourious basterds läuft an, nachdem er gefühltermaßen ob des medial ausgewalzten Schnickschnacks bei den Dreharbeiten in Deutschland eigentlich bereits letztes Jahr lief. Die Nazi-Klamotte wird mal gelobhudelt wie auf Spiegel Online, im Freitag mal skeptisch betrachtet. Elaboriert fabuliert dazu Claudius Seidl auf FAZ.net. Kino-Connaisseur Georg Seeßlen hat gleich ein ganzes Buch über Tarantino gegen die Nazis geschrieben, aus dem Spiegel Online einen Auszug veröffentlicht. Die portugiesische Zeitung Diário Econónomico setzt sich hier ebenfalls kritisch mit den antisemitischen Tendenzen des Films auseinander.
In erster Linie wird der Film aber ignoriert - man denke nur an die Diskussion zurück, als Tom Cruise für Operation Valkyrie im Bendlerblock drehen wollte.
Wer mitgezählt hat, weiss, dass es der sechste Film des Amerikaners ist. Immer wieder klopft Tarantino verzweifelt an die Hall of Fame der Autorenfilmer. Nur lässt ihn leider keiner rein.
An Tarantinos Filmen stören mich stets die bescheidenen Figurenzeichnungen und auch diesmal bleiben einige Darsteller so blaß, dass man sie fünf Minuten nach dem Kinobesuch bereits vergessen hat: Diane Kruger als Bridget von Hammersmark, Brad Pitt als Aldo Raine und Eli Roth als Donny Donowitz dienen lediglich als Staffage, wohingegen Christoph Waltz als Hans Landa einen prägnanten Eindruck hinterlässt.
Ein Regisseur, dessen stilbildende Grandezza bis heute mit einer Helligkeit strahlt, die selten ein Filmemacher nach ihm erreicht, ist Alfred Hitchcock, der vor knapp einer Woche 110 Jahre alt geworden. Hitchcock hat eigentlich all das erfunden, was heute im Kino Usus ist, allerdings hat er dies mit einer Perfektion getan, die seinen Epigonen misslang. Seinen britischen Dandyismus bewahrte er sich selbst in seinen Hollywood-Jahren. Er besetzt seine Figuren zwar stets mit der obersten Riege des damals noch homogenen Starsystems Hollywoods, doch was heute mit einem Tom Cruise, einem Brad Pitt oder einer Angelina Jolie ein müdes Gähnen bewirkt, war damals aufregend.
Alle seine Stars waren exzellent präpariert, um im Sinne der Hitchcock-Visionen zu agieren: Cary Grant, Ingrid Bergman, James Stewart, Paul Newman, Grace Kelly, Sean Connery, Peter Fonda, Anthony Perkins, Kim Novak.
Hitchcock war Auteur und machte kommerziell erfolgreiches Kino - ein Spagat, der heute oft danebengeht
Viele seiner Szenen sind einem auf ewig ins filmische Gedächtnis eingebrannt: James Stewart als L.B. Jeffries mit eingegipstem Bein im Rollstuhl sitzend und die Wohnungsfront gegenüber betrachtend. Die Maisfeldszene mit Cary Grant als Roger Thornhill auf der Flucht vor einem mörderischen Flugzeug in North by northwest. Die Duschsequenz in Psycho, als Hitchcock seine Heldin Marion Crane alis Janet Leigh nach einer halben Filmstunde ums Leben kommen lässt.

Sonntag, 5. Juli 2009

Der schale Ruhm des Kultregisseurs Tarantino

Michael Haneke spricht mir aus der Seele, wenn er in der heutigen Süddeutschen Zeitung mit Kultfilm-Klassikern hart ins Gericht geht: "Das Mainstream-Kino entrealisiert, überdreht und ironisiert Gewalt. Pulp Fiction ist dafür ein Musterbeispiel. Wenn da der Kopf weggeblasen wird, herrscht ein Riesengelächter im Saal. Das ist perfekt gemachter Zynismus im Dienste der Verkaufbarkeit". Genau dies ist – treffend formuliert – der Punkt, der mir bei Tarantinos Filmen wie Kill bill I und II sowie From dusk till dawn seit Jahren auf den Geist geht.

In erster Linie bedienen diese Filme rein kommerzielle Interessen. Selbstverständlich sind auch Autorenfilmer auf ihr Publikum angewiesen. Allerdings hat Quentin Tarantino das, was man in Pulp Fiction noch frisch und aufregend fand, in seinen darauffolgenden Filmen – und hier seien exemplarisch Kill bill I und II genannt – massentauglich perfektioniert und ein Kino der Oberflächlichkeit geschaffen. Tarantino setzt auf Effekt und Krawall: ohne Seele, ohne Botschaft, ohne Reflektion. Er schafft keine Charaktere, erzählt keine Geschichte und widersetzt sich allen Regeln der Autorenfilmer.

Seine Filme ziehen Referenzen zu Kung-Fu- und Trash-Movies. Das Resultat: ein wirrer Brei aus Zitaten und Stimmungen. Welche Botschaft will er dem Zuseher vermitteln? Scheinbar die der kommerziellen Endlosverwertung des Sujets der zynisch dargestellten Gewalt, das Tarantino bei Pulp Fiction noch die Goldene Palme in Cannes brachte und mit dem er seitdem die Kinoleinwand zuballert.

Tarantino war nie ein Autorenfilmer im Sinne eines Truffauts, eines Hitchcocks, eines Sirks, eines Lynchs, eines Godards, eines Wenders, eines Hanekes, eines von Triers, eines Fellinis oder eines Buñuels. All diese Filmregisseure haben Geschichten erzählt und eine eigene Filmsprache entwickelt. Tarantino ist und bleibt lediglich ein ohne Frage filmbesessener Regisseur, der es versteht, unter dem Deckmäntelchen des Autorenfilmers massenkompatibles Kommerzkino in Werbefilmästhetik zu produzieren und die niedrigen Instinkte der Masse mit blutbesudelten Hochglanzbildern zu bedienen.

Kino à la Tarantino ist für Menschen, die nicht reflektieren, sondern konsumieren. Sein ständig wiederkehrendes Erfolgsmotiv ist die extreme und gewiss ästhetisierte Gewaltdarstellung, die vom Zuschauer gleichsam einer Slapstick¬-Einlage absolut vorhersagbar mit Sich-auf-die-Schenkel-Klopfen-und-vor-Lachen-Krümmen goutiert wird. Gerade deswegen ist Tarantino alles andere als innovativ, sondern ähnelt vielmehr den Coca-Cola-Produzenten, die ihre höchst erfolgreiche Brause mal mit Cherry anreichern, mal mit und mal ohne Koffein anbieten und ihren Verkaufsschlager einem unkritischen Publikum in sämtlichen Geschmacksrichtungen in den Rachen gießen. Hauptsache, das Zeug wird gesoffen.

Dienstag, 26. Mai 2009

Adieu Cannes...

Ein glänzendes Festival mit wunderbaren Autorenfilmen geht zu Ende. In Deutschland wird man die Filme erst in den nächsten Monaten sehen, deswegen hier eine Vorschau, was uns hierzulande schon jetzt hoffen lässt. Das weisse Band von Michael Haneke wurde mit der goldenen Palme ausgezeichnet. In Deutschland wird der Film erst im November zu sehen sein. Der streng wirkende und in schwarz-weiß gedrehte Film zeichnet das Bild eines Dorfes in Norddeutschland vor dem ersten Weltkrieg. Nach Woodstock holt Ang Lees Taking Woodstock die Zuschauer, allerdings wird die musikalische Seite des Festivals ausgeblendet, vielmehr wird die Atmosphäre der sechziger Jahre reflektiert, in Deutschland ab September zu sehen. Charlotte Gainsbourg wurde als beste Schauspielerin für ihre Darstellung in Lars von Triers Antichrist ausgezeichnet. Die Dreharbeiten müssen für die fragile Französin eine Tour de Force gewesen sein, schließlich hat von Trier den Film in einer persönlichen Phase der Depression erarbeitet. Die Journalisten wurden nicht müde, die extremen Gewaltdarstellungen des Films zu erwähnen. In Deutschland läuft Antichrist ab September. Quentin Tarantino legte einen flotten Tanz auf dem roten Teppich hin und bescherte Christoph Waltz, dem er die Rolle eines SS-Offiziers in Inglourious Basterds gegeben hatte, die Auszeichnung als bester Schauspieler. Waltz revanchiert sich, um diverse Liebeserklärungen an Tarantino ins Mikrofon zu sprechen. Wo war eigentlich Brad Pitt?

Samstag, 10. Januar 2009

Director, Regisseur, Realisateur...

Top 5 verstorbene Regisseure

1. Alfred Hitchcock
2. François Truffaut
3. Jean-Luc Godard
4. Billy Wilder
5. Luis Buñuel

Top 5 lebende Regisseure

1. David Lynch
2. Jean-Luc Godard
3. François Ozon
4. Quentin Tarantino
5. Alejandro González Iñárritu

Dienstag, 6. Januar 2009

Wühlen wir mal ein bisschen in der Filmkiste und schauen, was in den kommenden Monaten des Jahres 2009 so daherkommt...

Ab 8. Januar läuft Christian Petzolds ostdeutscher Film noir Jerichow - ein Sujet, das uns Bewohner der neuen Bundesländer natürlich besonders entzückt, weil sich Nina Hoss, Benno Fürmann und André Hennicke (der Mann mit dem markanten Gesicht aus Der alte Affe Angst) in die ostdeutsche Provinz verirrt haben.
In Tom Tykwers The International (Start 12.2.) agiert Armin Müller-Stahl, Liebling des deutschen Feuilletons, warum auch immer. Ich bevorzuge dagegen Clive (Owen) und Naomi (Watts), die beiden Hauptprotagonisten, und werde dem Film wegen Tywkers grandiosen Vorgängern Lola rennt und Heaven eine Chance geben.
Von Gus van Sant mochte ich ja bereits My private Idaho (1991), To die for (1995), Psycho (1998) und Elephant (2003) nicht. Deshalb werde ich Milk (19.2.) mit Josh Brolin und Sean Penn bestimmt auch nicht anschauen, der Plot klingt todlangweilig (im San Francisco der 70er gibt Harvey Milk aka Sean Penn einen Politiker, der sich für die Gleichberechtigung von Homosexuellen einsetzt).
Allein der Titel RocknRolla klingt fantastisch, allerdings bin ich bei Guy Ritchie trotzdem etwas skeptisch. Warten wir den 19. März ab und lasssen uns dann überraschen oder enttäuschen.
Brauchts das? Benicio del Toro als Che Guevara? Ein weiterer Versuch nach den Motorcycle Diaries von 2004, vom bekanntesten Revoluzzer aller Zeiten zu erzählen, diesmal tut's Steven Soderbergh in The Argentine ab 26. März, basierend auf Guevaras Memoiren.

Sonntag, 30. November 2008

Filmvorschau Dezember 2009

Eine Hommage an Paul Newman zeigt die Cinématheque Leipzig ab 4. Dezember mit den Filmen Harper, The life and times of judge Roy Bean und Road to perdition.
Nach dem 18.12. gibt es ein Wiedersehen mit Damon Albarn, der im isländischen Screaming masterpiece zumindest in der Cinématheque Leipzig zu sehen ist, einer Dokumentation von 2005 über die fulminante Musikszene der Insel, unter anderem mit Björk, Sigur Rós.
Vicky Cristina Barcelona von Woody Allen an mit den drei wunderbaren Schauspielern Penélope Cruz, Scarlett Johansson und Javier Bardem, der in Cannes gefeiert wurde.