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Dienstag, 12. Januar 2010

Ein Blog namens Arca

So einfach wie brillant: im Spex-Blog Arca befragt Martin Hossbach von der Spex Kevin Cummins, einen der besten Rock'n'Roll-Fotografen Großbritanniens, zur Entstehungsgeschichte von Bildern von Paul Simonon von The Clash, den Stones Roses, den Manic Street Preachers, Courtney Love, Patti Smith, Morrissey und anderen. Gibt es erst seit Oktober 2009 und ich hoffe, dasss die Serie noch lange weitergeht. Göttlich.

Samstag, 2. Januar 2010

Die größten Alben der Nuller Jahre



Zeit, ein Resümee zu ziehen: Was waren die besten Langspielplatten der Nuller Jahre? Was war aufregend, inspirierend, grandios, neu, punkrockig? Hier meine personal Top Ten:

1. The Strokes: Is this it (2001)
Last nite war für mich der Dancefloor-Hit des Jahres 2001. Ich kam aus den USA, das World Trade Center war zerstört worden und wir tanzten in der Indie-Großraumdisco zu diesem Knaller und fühlten uns lebendig wie noch nie. Die Strokes lösten mit ihrem Album eine Welle der Indierockbands aus, die man in den Jahren vorher vergeblich gesucht hatte. Dafür gebührt ihnen ewiger Dank.

2. The Libertines: Up the bracket (2002)
Die Band schaffte es, Romantik, Verwegenheit und Punkrock auf einem Album zu verewigen. Wenn man sich heute an die Libertines erinnert, fällt vor allem auf, dass das Kollektiv die Person Pete Doherty überstrahlte. Inzwischen ist die Band passé, das geniale Songwritertum Dohertys bleibt aber bestehen. Zu Recht.

3. Pet Shop Boys: Yes (2009)
Kurz vor Schluss der Nuller Jahre veröffentlichen die Pet Shop Boys ihr bestes Album seit Very. Über 50 mussten sie werden, um so ein Meisterwerk rauszubringen.

4. Phoenix: Alphabetical (2004)
In jedem Indie-Café lief 2004 "Everything is everything" in Dauerrotation, das erste Lied, das mich in Verbindung mit meiner heutigen Lieblingsgruppe aus Frankreich brachten. Macht mir immer noch eine Gänsehaut, wenn ich es heute höre.

5. Justin Timberlake: Jusitified (2001)
Zunächst überlegte ich damals kurz, ob ich dieses Album in meine persönlichen Guilty Pleasures einordnen soll. Nach kurzem Zögern konnte ich diesen Gedanken mit einem entschiedenen Nein verwerfen. Dieses Album ist so was von tanzbar, melodisch und lässig, dass einem die Ex-Mitgliedschaft Timberlakes bei N'Sync (und ich ja in den neunzigern Jahren gern mal N'Sync hörte) nicht weiter stört. Weiß eigentlich irgend jemand, was dieser bescheuerte Bandname bedeutet? Noch toller fand ich Timberlake wegen seiner Liaision mit Cameron Diaz...

6. The Good the Bad & the Queen: The Good the Bad & the Queen (2007)
Damon Albarn ist für mich so was wie PaulMcCartney und Bob Dylan. Irgendwie werden die drei nie weg sein. Zum Glück, denn ich halte das göttliche Trio für unverzichtbar. Mit "The Good the Baed & The Queen" schuf Albarn wieder mal ein Meisterwerk. "Zugänglich ohne banal zu sein" schrieb die Zeitschrift Q mal über blur. Trifft auch auf Albarns Sidproject zu.

7. Amy Winehouse: Back to black (2006)
Ich bin eigentlich kein Fan von singenden Frauen in der Popkultur und weiß, dass ich damit mein eigenes Geschlecht diskriminiere. Einige Ausnahmen gibt es dennoch: Aretha Franklin, Justine Frischmann, Debbie Harry und Amy Winehouse. Die letzte ist für mich die Stimme der Nuller Jahre. Auch wenn sie sich noch mehr Tattoos stechen lässt und drei Crackpfeifen auf einmal raucht: unerreichbar.

8. Franz Ferdinand: Franz Ferdinand (2004)
Manche Bands haben mich nur ein Album lang begeistert. Aber auf diesem richtig. Die Schotten mit dem Namen des 1914 ermordeten österreichischen Thronfolgers sind so eine Band. Ihre ulkige Lyric-Line "Ick heiße superfantastisch, ich trinke Wodka mit Lachsfisch" geht mir manchmal durch den Kopf und dann muss ich immer lächeln. Noch fünf Jahre später nach dem Jahr, in dem FF so groß waren wie nachher nie wieder.

9. Vampire Weekend: Vampire Weekend (2008)
Simon & Garfunkel fand ich ja mit 13 ganz toll und Vampire Weekend lösen bei mir ein ähnliches Feeling aus, ohne die Betulichkeit, die S & G verbreiten. Live ein absoluter Euphorieauslöser. Und der bescheuertste Name aller Zeiten.

10. Tocotronic: Tocotronic
Da meine mir selbst auferlegte Regel dieser Top Ten lautet, dass keine Band doppelt auftauchen darf, steht an letzter Stelle nicht das zweite selbstbetitelte Album von "The Libertines" (2004) oder "United" von Phoenix (2000), sondern das - zumindest optisch betrachtet - Äquivalent zum White-Album der Beatles aus der Kompositionsstube meiner liebsten deutschsprachigen Popband namens Tocotronic. "Hi Freaks" war wieder mal eine grandios Hymne der Abgrenzung und bekräftigte den fortwährend erfolgreichen Versuch von Tocotronic, jeglicher Vereinnahmung zu entwischen.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Roy Orbison reloaded

Zu den vielen Verdiensten von David Lynch außer Twin Peaks, Mulholland Drive und Blue Velvet gehört ja auch, dass er mir Roy Orbison näherbrachte, den ich sonst immer für einen dicken Mann mit Brille gehalten hätte, der das furchtbare "Pretty Woman" zur gleichnamigen Schmonzette, dem Tiefpunkt der neunziger Jahre, gesungen hat. Eines der besten Lieder Orbisons hat Lynch in diese Szene von Blue Velvet gepackt. Und mit der spanischen Version von Crying, dem zweitbesten Orbison-Song, hat er dann Mulholland Drive unterlegt.

Montag, 30. November 2009

Listomania Teil 2

Das Listen-Ding hat ja bekanntermaßen verschiedene Epochen durchschritten. Bei Nick Hornbys "High fidelity" war es ein Nerd-Hobby, um die eigene Meinungsstärke zu demonstrieren. Irgendwann kam RTL und zerrte die Listomania mit Shows wie "Die zehn besten TV-Vollidioten" in den Prolo-Mainstream. Trotz allem schätze ich die Ordnungsfunktion von Listen. Justament fiel mir die Zeitschrift Sounds des Rolling Stone in die Hände, in der 250 Meisterwerk aus fünf Jahrzehnten aufgetafelt werden.
Hier das Resultat für die Nuller Jahre:
1. The Strokes: Is this it
2. Antony and the Johnsons: I am a bird now
3. Arcade Fire: Funeral
4. The white stripes: Elephant
5. Franz Ferdinand: Franz Ferdinand
6. Coldplay: A rush of blood to the head
7. Amy Winehouse: Back to black
8. Wilco: Yankee Foxtrott Hotel
9. The Streets: A grand to come for free
10. Gorillaz: Gorillaz

Mein Kommentar dazu: Platz eins geht absolut in Ordnung. Die Plätze 2 bis 3 dagegen gar nicht. Völlig unverständlich ist mir auch, wie man Gorillaz erwähnen, blurs um Längen besseres Album Think tank dagegen ignorieren kann. Auf Platz 4 gehören statt den White Stripes die Libertines, die es lediglich auf Platz 11 geschafft haben.

Sonntag, 22. November 2009

Lisztomania Teil 1 - Konzert im Berliner Huxley's

An manchen Abenden bin ich die Inkarnation einer Anti-Konzertgängerin. Das Gedränge ist mir zu dicht, die Schlange an Garderobe und Bierstand zu lang, die Luft zu stickig, die Zwischenräume zwischen den Menschen zu eng. Und der Gipfel aller Übel: Die Live-Musik klingt wie eine verwaschen-dröhnende Version der Platte. Ich erinnere mich leidvoll an die neunziger Jahre, als oasis in der Münchner Olympiahalle einen dröhnenden Gitarrenmatsch über dem Publikum ausgossen, der jegliche Melodik der Platte entbehrte. Ich wünschte mich sehnlichst in mein Wohnzimmer an den Platten- oder CD-Spieler.
An anderen Abend verwandle ich mich in eine elektrisierte Konzertgängerin, überzeugt, genau in dieser Sekunde am richtigen Ort auf der Erde zu sein und eines der brillantesten Konzerte des Jahres zu erleben. So wie am Samstagabend im Berliner Huxleys, als die ersten Takte von „Lisztomania“ erklangen: eine Nacht mit french pop music von Phoenix für die Ewigkeit.
Phoenix werden eines Tages als Ikonen des Indie-Pops der Nuller Jahre in die Musikwissenschaft eingehen. Die französischen Indie-Darlings aus Versailles schaffen einen unvergleichlich glasklaren Sound und zelebrieren ihre Live-Gigs meisterhaft, was sie bereits im Mai diesen Jahres im Berliner Berghain bewiesen. Keine Star-Attitüde, keine großen Gesten – nur 80 Minuten Konzert, umrahmt vom besten Song "Lisztomania" bis zum zweitbesten Song "1901" des letzten Albums "Wolfgang Amadeus Phoenix". Dazwischen: eine Akustik-Gitarren-Version von "Everything is everything", "Rome", "Fences", "Too young", "If I ever feel better", "Long distance call", "Rally" - mon dieu, merveilleux! Das Publikum hebt förmlich ab. Keine Frage, dass auch ein Geburtstagslied für Thomas Mars auf Wunsch seiner Bandmitglieder gesungen wird. Ach so: im Tour-Blog wird verraten, was der Gute an seinem schönsten Tage des Jahres noch gemacht hat.
Phoenix verehrt man, weil sie einen eigenen französisches Musikkosmos konzipiert haben, der seine Universalität in Nachbarschaft zu Gainsbourg und Daft Punk entfaltet.
Nonchalant post-musikalische Gesten unterstreichen den grundsympathischen Phoenix-Habitus. Beim letzten Lied holt Sänger Thomas Mars mal eben einen Teil des Publikums auf die Bühne. Die Jungs und Mädchen tollen so ausgelassen herum, dass ich vor Begeisterung ebenfalls gleich mittanze. Zum Ausklang erklingt klassische Musik – eine Aurevoir mit Stil.

Montag, 16. November 2009

Christmas is coming closer

Ratzfatz bin ich in Weihnachtsstimmung reingeschlittert. Liegt nur an einem: Der Weihnachts-EP der Pet Shop Boys mit dem schönsten Cover seit "White Christmas", jetzt schon zu pre-ordern. Ich hör schon die Glöckchen läuten, denn ta-ta: es gibt eine neue Version von It doesn't often snow at Christmas und natürlich von All over the world. Na dann: Let it snow.