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Samstag, 6. Februar 2010

(Killed) On the road


Foto: Ullstein

17 ist ein brenzliges Alter. Man steht auf der Kippe, vom Mädchen zur Frau, vom Jungen zum Mann. Man ist fragil, verwirrt und risikobereit und dennoch frisch und lebendig.
Mit 17 hätte man verdammt gern ein Buch wie "Axolotl Roadkill" geschrieben, denn ich finde es umwerfend charmant, mit welchem Mut die Autorin Helene Hegemann ans Werk geht, gleichwohl die ständige Koketterie mit dem Chaos-Bohemin-Leben in Prenzlauer Berg etwas überstrapaziert wird. Ich finde das Mädel rotzfrech, mutig und intellektuell. Das Buch ist zwar jetzt weniger underground, nachdem es quer das Feuilleton der Republik von Zeit ging bis FAZ, aber so what?

Wenn man sich jetzt so vorstellt, Hegemann würde es dem kürzlich verstorbenen Vater aller Coming-of-Age-Romane Jerome D. Salinger gleichtun, sich in einem einsamen Haus in Brandenburg verstecken und nie wieder eine Zeile veröffentlichen: Das wäre schon ziemlich verrückt und irre konsequent.

Freitag, 5. Februar 2010

There will be cinema

Wenn man sehen will, was im Kino gerade falsch läuft, sollte man sich "Zeiten ändern dich" anschauen - ein Film mit Bushido und einem selten dämlichen Titel. Wie gut Kino sein kann, sieht man ab 11. Februar auf der Berlinale, denn dort gibt es wieder ein paar Schätze zu entdecken.


Ganz hohe Erwartungen schüren diese Filme:

Metropolis von Fritz Lang


Foto: Filmhauskino Nürnberg
Die restaurierte Originalfassung von Fritz Langs Metropolis wird erstmals gezeigt und zwar 83 Jahre nach der Premiere des Films.
läuft am Donnerstag, 12. Februar im Friedrichstadtpalast, im Filmhauskino Nürnberg läuft ab heute eine Fritz-Lang-Retrospektive

Cindy liebt mich nicht von Hannah Schweier
Der Roman von Juan Moreno und Jochen-Martin war eines der hübschesten Debüts der letzten Jahre. Die beiden schreiben ja sonst für Spiegel, Sueddeutsche und Co., haben aber auch ein Herz für lange Geschichten. Das Buch muss man unbedingt gelesen haben, um zu verstehen, wie Barmänner ticken.
läuft am Dienstag, 16. Februar um 13 Uhr im Colosseum 1

Gigola von Laure Charpentier
Lou Doillon, die Tochter von Jane Birkin, kannte ich bisher nur das der InStyle. Jetzt spielt sie in diesem französischen Film mit, der das Nachtleben im Pariser Stadtteil Pigalle in den sechziger Jahren zeigt
läuft am 13.und 16. Februar um 14.50 bzw. 16.15 Uhr im CinemaxX 19

Two in the wave von Emmanuel Laurent
François Truffaut und Jean-Luc Godard sind vom Einfluss auf die Filmgeschichte ungefährt so wie John Lennon und PaulMcCartney für die Musik. Und befreundet waren sie auch noch, wovon dieser Film erzählt, der auf dem Drehbuch von Antoine de Baecque basiert.
läuft am 14. und 16. Februar um 15:00 bzw. 17:20 im CinemaxX 19

Dienstag, 26. Januar 2010

Gucci goes cinema: der Film "A Single Man" von Tom Ford


Foto: Senator Film Verleih


Was kommt heraus, wenn einer der größte Ex-Modedesigner der Welt einen Film macht? Eine Couture-Show? Ein langer Werbespot? Man könnte Tom "Ex-Gucci-Chefdesigner" Fords Film "A Single Man" (mit Colin Firth und Julianne Moore in den Hauptrollen), der ab März 2010 in den deutschen Kinos läuft, ankreiden, dass er die Schönheit glorifiziert, dass er sie auf einen Altar stellt, dass er ihr allein huldigt, dass sein Film oberflächlich ist, eine Gucci-Reklame ist, eine Ausstattungsorgie. Dass er kein Drehbuch, sondern ein Modemagazin verfilmt hat.
Man könnte. Doch auf der Metaebene erzählt der Film "A single man", der auf dem Buch von Christopher Isherwood basiert, von Sinnsuche, der Furcht vor dem Tod, Liebe und variiert den ewig relevanten Dorian-Gray-Stoff auf intelligente Art und Weise.
George Falconer (Colin Firth) ist Universitätsprofessor in Stanford. Er verlor seinen Lebensgefährten Jim und hadert seit diesem Schicksalsschlag mit seinem Leben. "A single man" zeigt einen Tag in Falconers Leben und erinnert an Stephen Daldrys "The Hours" und Luchino Viscontis "Tod in Venedig". Die Kamera folgt Falconers Weg in den Hörsaal, bei seinen Gesprächen mit einem jungen Studenten, der ihn bewundert, in die Villa seiner ehemaligen Liebschaft Charley (Julianne Moore) und in eine Bar, in der er einst Jim traf.
"Don't you miss this what we could have been together?", fragt Charley, Falconers Jugendliebe, als sie neben ihm auf dem Flokati-Teppich ihrer glamourösen Villa liegt, trunken und sehnsüchtig. Die verpasste Option als ewiges Damoklesschwert über dem Haupt. Unbetretene Wege und versäumte Träume werden zu Albträumen und rauben Nacht für Nacht den Schlaf. Unerfüllte Liebe als ewige Vision. Genau davon erzählt Fords Film.

Montag, 25. Januar 2010

Jürgen Teller Schau


Kate Moss, New York, 1996 Fotos: Kunsthalle Nürnberg Copyright: Juergen Teller


Der Fotograf Jürgen Teller ist wahrscheinlich eine der popkulturell spannendsten Erscheinungen Frankens. Tellers fotografischer Reiz besteht in der Demontage jeglichen Glamours. Er zeigt Models wie Kate Moss und Kirsten McMenamy ungeschönt und ehrlich, aber doch anziehend und sexy, weil sie beim ihm wie reine und ätherische Frauen wirken. Victoria Beckmann hat er für eine Marc-Jacobs-Kampagne in eine Shopping Bag gesteckt, nur die Füße ragen heraus. Man erahnt zum ersten Mal einen Hauch von Selbstironie bei Posh. Wie en passant aufgenommen wirken die "Go-Sees", ungeschönte Momentaufnahmen der ausgehenden neunziger Jahre, jenseits der Euphorie von Cool Britannia, in den dreckigen Stadtteilen Londons. Teller ist schonungslos-exhibitionistisch mit sich selbst. Ein Großteil der Nürnberger Schau zeigt ihn selbst, nackt, ungeschützt, in Close-Ups, im Arm der großartigen Schauspielerin Charlotte Rampling, die ebenfalls mutig der Kamera trotzt: ohne glamouröse Robe und keineswegs makellos. Der Betrachter kann der Sogwirkung der Fotos nicht entrinnen.

Die Ausstellung läuft noch bis 14. Februar in der Kunsthalle Nürnberg.


Go-sees: Romilly Copyright: Juergen Teller

It's all about the Geschäftsmodell

Die Differenzierung zwischen Webseiten-Beitrag und Blog-Post ist mir manchmal nicht ganz klar. Ein Blog zeichnet sich allein dadurch aus, dass es von einer Person veröffentlicht und nicht unter dem Dach einer Publikation läuft. Für interessant halte ich diesen Ansatz für Zeitungen:
Die Reporter, die nicht mehr fest angestellt sind, könnten Blogs schreiben, die in ein Zeitungsnetzwerk eingebunden und gemeinsam vermarktet werden.
Steht seit gestern Nacht auf Faz.net. Da hat wohl auch ein Blogger wieder Überstunden gemacht. Oder war es ein bloggender Journalist?

Sonntag, 24. Januar 2010

Put on your headphones and start listening


Unverhofft ist dieser Kopfhörer in meinen Besitz gelangt und nach einer Phase der skeptischen Inspizierung habe ich den Burschen ein wenig liebgewonnen, denn sein Klang ist wirklich astrein. Früher schwor ich ja auf Mini-Ohrstöpsel, mit Hilfe derer ich mich unauffällig dem Musikgenuss hingeben konnte. Klotzen statt Understatement lautet die Devise beim Musikhören on the road. Seine unmittelbare Verwandtschaft zum Kunstpelz-Ohrenschützer kann der neue Kopfhörer nicht verbergen. Nehm ich ihm auch nicht krumm.

Dienstag, 12. Januar 2010

Ein Blog namens Arca

So einfach wie brillant: im Spex-Blog Arca befragt Martin Hossbach von der Spex Kevin Cummins, einen der besten Rock'n'Roll-Fotografen Großbritanniens, zur Entstehungsgeschichte von Bildern von Paul Simonon von The Clash, den Stones Roses, den Manic Street Preachers, Courtney Love, Patti Smith, Morrissey und anderen. Gibt es erst seit Oktober 2009 und ich hoffe, dasss die Serie noch lange weitergeht. Göttlich.

Freitag, 8. Januar 2010

Fragen des Journalismus

Viele Medienmenschen betrachten crossmedialen Journalismus immer noch als mysteriöses Wunderwerk. Patricia Riekel glaubt nicht, "dass Journalisten gleichzeitig für Online und eine Zeitschrift arbeiten können".
Das ähnelt der Frage, die 1897 von der American Newspaper Publishers’ Association diskutiert wurde: "(Do typewriters) lower the literary grade of work done by reporters?", zitiert nach Kathrin Passigs Internetkolumne.

Mittwoch, 6. Januar 2010

Nur wer revoltiert, der existiert

Lieber Albert Camus,
vorgestern vor fünfzig Jahren bist Du gestorben und ich bedauere unendlich, dass Du nur 46 Jahre alt wurdest. Eigentlich hätte ich Dich aufgrund Deines Äußeren eher für den Bruder von Philip-Marlowe gehalten, aber intellektuell hattest Du mehr auf dem Kasten als er. Du warst der Pop-Star unter den französischen Philosophen und hast meine Schulzeit mit Deinem "L'Etranger" interessant gemacht. "C'était comme quatre coups brefs que je frappais sur la porte du malheuer", "Je me révolte, donc nous sommes" oder "Tout es vrai et rien n'est vrai" - solche Sätze vergisst man nicht mehr. Leider hat Dir Foucault momentan den Rang an den Unis abgelaufen. Du hast als Journalist begonnen und diese Profession als Kampf für die Wahrheit und Unabhängigkeit betrachtet: Der Journalist solle sich auf moralische und nicht auf politische Werte beziehen. Aus "Der Pest" kann man heute noch mehr über Anti-Faschismus lernen als aus jeder Fernsehdokumentation über den Nationalsozialismus. 2010 wird auch das Camus-Jahr, sagt der Nouvel Observateur.
Vielen Dank dafür!

Samstag, 2. Januar 2010

Die größten Alben der Nuller Jahre



Zeit, ein Resümee zu ziehen: Was waren die besten Langspielplatten der Nuller Jahre? Was war aufregend, inspirierend, grandios, neu, punkrockig? Hier meine personal Top Ten:

1. The Strokes: Is this it (2001)
Last nite war für mich der Dancefloor-Hit des Jahres 2001. Ich kam aus den USA, das World Trade Center war zerstört worden und wir tanzten in der Indie-Großraumdisco zu diesem Knaller und fühlten uns lebendig wie noch nie. Die Strokes lösten mit ihrem Album eine Welle der Indierockbands aus, die man in den Jahren vorher vergeblich gesucht hatte. Dafür gebührt ihnen ewiger Dank.

2. The Libertines: Up the bracket (2002)
Die Band schaffte es, Romantik, Verwegenheit und Punkrock auf einem Album zu verewigen. Wenn man sich heute an die Libertines erinnert, fällt vor allem auf, dass das Kollektiv die Person Pete Doherty überstrahlte. Inzwischen ist die Band passé, das geniale Songwritertum Dohertys bleibt aber bestehen. Zu Recht.

3. Pet Shop Boys: Yes (2009)
Kurz vor Schluss der Nuller Jahre veröffentlichen die Pet Shop Boys ihr bestes Album seit Very. Über 50 mussten sie werden, um so ein Meisterwerk rauszubringen.

4. Phoenix: Alphabetical (2004)
In jedem Indie-Café lief 2004 "Everything is everything" in Dauerrotation, das erste Lied, das mich in Verbindung mit meiner heutigen Lieblingsgruppe aus Frankreich brachten. Macht mir immer noch eine Gänsehaut, wenn ich es heute höre.

5. Justin Timberlake: Jusitified (2001)
Zunächst überlegte ich damals kurz, ob ich dieses Album in meine persönlichen Guilty Pleasures einordnen soll. Nach kurzem Zögern konnte ich diesen Gedanken mit einem entschiedenen Nein verwerfen. Dieses Album ist so was von tanzbar, melodisch und lässig, dass einem die Ex-Mitgliedschaft Timberlakes bei N'Sync (und ich ja in den neunzigern Jahren gern mal N'Sync hörte) nicht weiter stört. Weiß eigentlich irgend jemand, was dieser bescheuerte Bandname bedeutet? Noch toller fand ich Timberlake wegen seiner Liaision mit Cameron Diaz...

6. The Good the Bad & the Queen: The Good the Bad & the Queen (2007)
Damon Albarn ist für mich so was wie PaulMcCartney und Bob Dylan. Irgendwie werden die drei nie weg sein. Zum Glück, denn ich halte das göttliche Trio für unverzichtbar. Mit "The Good the Baed & The Queen" schuf Albarn wieder mal ein Meisterwerk. "Zugänglich ohne banal zu sein" schrieb die Zeitschrift Q mal über blur. Trifft auch auf Albarns Sidproject zu.

7. Amy Winehouse: Back to black (2006)
Ich bin eigentlich kein Fan von singenden Frauen in der Popkultur und weiß, dass ich damit mein eigenes Geschlecht diskriminiere. Einige Ausnahmen gibt es dennoch: Aretha Franklin, Justine Frischmann, Debbie Harry und Amy Winehouse. Die letzte ist für mich die Stimme der Nuller Jahre. Auch wenn sie sich noch mehr Tattoos stechen lässt und drei Crackpfeifen auf einmal raucht: unerreichbar.

8. Franz Ferdinand: Franz Ferdinand (2004)
Manche Bands haben mich nur ein Album lang begeistert. Aber auf diesem richtig. Die Schotten mit dem Namen des 1914 ermordeten österreichischen Thronfolgers sind so eine Band. Ihre ulkige Lyric-Line "Ick heiße superfantastisch, ich trinke Wodka mit Lachsfisch" geht mir manchmal durch den Kopf und dann muss ich immer lächeln. Noch fünf Jahre später nach dem Jahr, in dem FF so groß waren wie nachher nie wieder.

9. Vampire Weekend: Vampire Weekend (2008)
Simon & Garfunkel fand ich ja mit 13 ganz toll und Vampire Weekend lösen bei mir ein ähnliches Feeling aus, ohne die Betulichkeit, die S & G verbreiten. Live ein absoluter Euphorieauslöser. Und der bescheuertste Name aller Zeiten.

10. Tocotronic: Tocotronic
Da meine mir selbst auferlegte Regel dieser Top Ten lautet, dass keine Band doppelt auftauchen darf, steht an letzter Stelle nicht das zweite selbstbetitelte Album von "The Libertines" (2004) oder "United" von Phoenix (2000), sondern das - zumindest optisch betrachtet - Äquivalent zum White-Album der Beatles aus der Kompositionsstube meiner liebsten deutschsprachigen Popband namens Tocotronic. "Hi Freaks" war wieder mal eine grandios Hymne der Abgrenzung und bekräftigte den fortwährend erfolgreichen Versuch von Tocotronic, jeglicher Vereinnahmung zu entwischen.

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Gloriose Filme und herbe Enttäuschungen 2009

Was waren die Goldstücke?

Platz 1
"(500) days of summer" von Marc Webb ist auf den ersten Blick einmal mehr ein Aufguß des niemals sterbenden Boy-meets-Girl-Filmstoffes, andererseits so reizend und liebevoll umgesetzt wie selten. Die nüchterne Darstellung von Zooey Deschanel korreliert ideal mit der Figur von Summer, aber der eigentliche Star des Ensembles ist Joseph Gordon-Levitt als Tom, der so grandios leidet, das man ergriffen mit ihm fühlt. Und dann trägt er auch noch mein Lieblings-T-Shirt mit The Clashs "London Calling"-Cover. Wunderbar! Der Soundtrack mit The Smiths, Regina Spektor und The Clash ist eh zum Verlieben. Der Film schafft es tatsächlich, den Schmerz, die Freude und die Verzweiflung, die Liebe auslöst, so zu zeigen wie selten in den letzten Kinojahren.
Allein für einen Dialog wie diesen muss man den Film einfach gern haben:

Summer: We've been like Sid and Nancy for months now.
Tom: Summer, Sid stabbed Nancy, seven times with a kitchen knife, I mean we have some disagreements but I hardly think I'm Sid Vicious.
Summer: No I'm Sid.
Tom: Oh, so I'm Nancy...
[Pancakes arrive]
Summer: Let's just eat and we'll talk about it later. Mmm, that is good, I'm really glad we did this. I love these pancakes... what?
[Tom gets up and walks away from the table]
Summer: Tom, don't go! You're still my best friend!


Platz 2
"Alle anderen" von Maren Ade zeigte die Coolness des deutschen Kinos. Bereits mit ihrem Debütfilm "Der Wald vor lauter Bäumen" bewies sie großes Regietalent. Im aktuellen Film ging sie noch professioneller zur Sache. Ades Dialoge sind von umwerfend schlichter Prägnanz, ihre Hauptdarsteller lebensnah, verletzlich, überdreht und herrlich eigensinnig. Mehr von dieser Regisseurin in den nächsten Jahren, die hoffentlich ihrer behutsamen Erzählweise treu bleibt.

Platz 3
"Antichrist" war insgesamt betrachtet eine Zumutung. Und was für eine, halleluja. Szenen mittelalterlich anmutender Foltermethoden werden an traumschöne Sequenzen gereiht. Lars von Trier liefert darin die schönste Eröffnungsszene des Jahres ab. Selten untermalte Händel eine Filmszene besser. Eigentlich unnötig der Hinweis, das nur ein depressiver Charakter einen solchen Film machen kann.

Platz 4
Eigentlich bin ich kein Clint Eastwood-Fan, verneige mich aber trotzdem vor seinem Film "Changeling", der Angelina Jolie (bekam eine Oscar-Nominierung für ihre Rolle der Christine Colins, deren Sohn entführt wird) und John Malkovich glänzen ließ.

Platz 5
"He's just not that into you" ist pures Spaß-Kino. Ohne Jennifer Aniston, Scarlett Johansson, Drew Barrymore und Justin Long wäre der Film von Ken Kwapis wahrscheinlich komplett missraten. Einen Film mit derselben Portion Selbstironie würde ich mir aber trotzdem mal aus Deutschland wünschen.

Platz 6
Von Christian Petzolds Jerichow hatte ich mir viel erwartet und wurde keine Sekunde enttäuscht. Einer der besten deutschen Regisseure.


Platz 7
Lourdes ist der dritte Spielfilm der österreichischen Regisseurin Jessica Hausner und ihr bedächtigstes Werk. Die philosophischen Fragen, die der Film aufwirft, beschäftigen einen noch lange. Sylvie Testud spielt die Hauptrolle grandios.


Wofür hätte man sich den Eintritt 2009 sparen können?

Platz 1

Es hatte schon seinen Grund, warum 87 Jahre lang niemand auf die Idee kam, die Geschichte des amerikanischen Schriftstellers F. Scott Fitzgerald, die den Held rückwärts altern lässt, zu verfilmen. 2008 wagte sich dann doch David Fincher an The curious case of Benjamin Button. Die erste Stunde des Films ist einschläfernd wie ein Nachmittag im Altenheim. Unklar bleibt die Flucht Benjamins (Brad Pitt) aus New Orleans, die mit seiner Angst vor seiner drohenden Verjüngung und den daraus resultierenden Unmöglichkeit, die Liebe zu Daisy (Cate Blanchett) weiter zu leben, für meine Begriffe unzureichend erklärt wird. Ein Juwel der Kinogeschichte? Allenfalls eine Meisterleistung der Maskenbildner.

Platz 2
Ein verwirrender Plot machen Tom Tykwers ersten Blockbuster The International zu einer unbedeutenden Fußnote seines Filmschaffens.

Platz 3
Der einzige Darsteller in Inglourious basterds, der nuancierte Schauspielkunst in dieser Nazi-Posse bot, war Christoph Waltz - ihm zuzusehen ist eine wahre Freude. Ansonsten hat sich Tarantino von starken Charakteren wie John Travolta, Uma Thurman, Samuel L. Jackon und Bruce Willis in Pulp Fiction allerdings Lichtjahre entfernt. Der Film leidet an der oberflächlichen Charakterisierung seines Personals und ist ästhetisch belanglos. Positiv sind dagegen die wie immer bei Tarantino detailliert und auf den Punkt gebrachten Dialoge.
Fazit: ein schwacher Auteur spielt perfekt mit allen ihm zur Verfügung stehenden Genre-Elementen von Western über Komödie bis Kriegsfilm und beweist große Kreativität bei der Wahl seiner Mordwerzeuge. Tarantino hat sein Pulver verschossen und das schon seit geraumer Zeit.

Platz 4
Ich bin kein Fan der Komödien von Ethan und Joel Coen, obwohl sie ja den Humor der Indie-Kino-Fangemeinde seit Fargo treffen. Thriller (Country for old men) können sie viel besser. Burn after reading hat mich enttäuscht. Ein missraten-plattes Lustspiel: man lässt sich im Kinosaal berieseln, denkt "Könnte schlimmer sein" und trinkt dazu am besten ein paar Bier.

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Die große Frustation. Wider den Einschlaf-Journalismus. Eine Polemik.

Es ist mal wieder Zeit, dem Journalismus die Leviten zu lesen. Das Modell der Zeitung als Potpourri von Berichten, die scheinbar zusammenhanglos nebeneinander stehen und allenfalls einen minimalen Ausschnitt der Realität zeigen, ist dysfunktional, denn die Fragmentierung und Zersplitterung des Publikum ist in vollem Gange und wird 2010 rasant fortschreiten. Das Internet-Manifest - Wie Journalismus heute funktioniert ist zwar schon ein paar Monate halt, trotzdem sollte es sich jeder halbwegs seriöse Journalist 2010 hinter die Löffel schreiben.
Regionalzeitungen jenseits von Spiegel, Süddeutscher Zeitung und Zeit gleichen heute reinen Seitenbefüllungsunternehmen, die einen Großteil ihres Inhalts mit dpa-Meldungen abdecken. Rationaler wäre es, wenn dpa täglich einen Mantelteil von acht Seiten produzieren würde und damit alle Regionalzeitungen beliefern würde.

Das Abklappern von Terminen ist der Tod des kreativen publizistischen Geistes. Veröffentlichung von Texten statt Journalismus. Das System krankt am Mangel an Passion, Witz und Verve. Langweile regiert. Eigene Recherche, eine persönliche Haltung des Autors und individuelle Erzählstücke - all das passiert nicht mehr in den Zeitungen mit mittelgroßer Auflage, sondern in der überregionalen Presse, in Zeitschriften und Blogs. In den Feuilletons der Regionalzeitungen werden Berichte lieblos durcheinandergeschmissen und gemutmaßt, dass den durchschnittlich 60-jährigen Leser der Tod von Michael Jackson interessiert oder das Metal-Konzert in der städtischen Mehrzweckhalle. Wäre hier nicht eine thematische Trennung zwischen Print und Online vonnöten: Print als Angebot für den Leser ab 40 Leser und Jugendthemen generell ins Online-Angebot packen?
Im Jahr 2009 ist das Anzeigenaufkommen der Zeitungen um 15 Prozent gesunken. Für 2010 hofft der Bund Deutscher Zeitungsverleger auf eine Stablisierung auf niedrigem Niveau. Im Klartext: schlimmer geht es nicht. Da bei vielen Zeitungen ein geringeres Anzeigenvolumen weniger Seiten bedeutet, werden die Zeitungen dünner. Für den Leser ärgerlich, schließlich bekommt er weniger Zeitung für dasselbe Geld. Ein Auweg aus dem Dilemma: mehr Texte im Online-Angebot präsentieren. Denn schließlich sind Redakteure Textprodukteure - und ob sie für Print oder Online schreiben, sollte ihnen letztlich schnurz sein.
Das Internet-Manifest als theoretische Charta muss erst noch mit Leben erfüllt werden. Na dann: Es gibt viel zu tun.

Die Medien ... haben die Pflicht, auf Basis der zur Verfügung stehenden Technik den bestmöglichen Journalismus zu entwickeln - das schließt neue journalistische Produkte und Methoden mit ein.



Das Internet verändert verbessert den Journalismus.
Durch das Internet kann der Journalismus seine gesellschaftsbildenden Aufgaben auf neue Weise wahrnehmen. Dazu gehört die Darstellung der Information als sich ständig verändernder fortlaufender Prozess; der Verlust der Unveränderlichkeit des Gedruckten ist ein Gewinn. Wer in dieser neuen Informationswelt bestehen will, braucht neuen Idealismus, neue journalistische Ideen und Freude am Ausschöpfen der neuen Möglichkeiten.


Qualität bleibt die wichtigste Qualität.
Das Internet entlarvt gleichförmige Massenware. Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubwürdig und besonders ist. Die Ansprüche der Nutzer sind gestiegen. Der Journalismus muss sie erfüllen und seinen oft formulierten Grundsätzen treu bleiben.


Ist das denn so schwer begreifbar, verdammt noch mal?

Samstag, 19. Dezember 2009

Gratulieren in der Facebook-Ära

Inzwischen verfügt man ja über eine breite Palette an Optionen, um einem Freund, Bekannten oder Verwandten zum Geburtstag zu gratulieren. Altmodisch gedacht, könnte man ihm oder ihr beispielsweise die Hand schütteln oder ihn oder sie umarmen und dazu Face-to-face einen herzlichen Glückwunsch artikulieren. Würde der Freund 200 Kilometer entfernt wohnen, hätte man die Option, ihm zwei Tage vorher eine Karte zu kaufen und diese per Post zu schicken, vielleicht auch ein Geschenk einzupacken. Bei spontanen Menschen tut es der Telefonanruf.
Mittlerweile ist die Facebook-Gratulation längst ein elementarer Bestandteil des Glückwunschinventars. Hat ein Facebook-Nutzer Geburtstag, dann können auf seinem Profil etliche Glückwunsche eintrudeln. Die Anzahl der Glückwünsche variiert natürlich erheblich. Einer bekommt vier, der andere 30. Besonders viele Geburtstagsgrüße auf einer Facebook-Seite signalisieren demnach entweder die Beliebtheit der betreffenden Person oder die Faulheit der Gratulanten, die den Griff zum Telefonhörer scheuen. Ein Mysterium, das ich gern lösen würde...

Freitag, 11. Dezember 2009

Attraktive Schauen republikweit



Foto: Amazon.
Jürgen Teller ist der einzige mir bekannte popkulturell international relevante Fotograf, den Franken je hervorbrachte. Wer das widerlegen kann, soll sich bei mir melden. Er hat vor ein paar Jahren ein interessantes Buch mit einem schicken Cover herausgebracht und stellt noch bis nächstes Jahr in der Kunsthalle Nürnberg aus. Die Schau werde ich mir mit Sicherheit anschauen. "Dark Splendor" ist leider ein bisschen weit weg.

- Jürgen Teller // Logisch // Kunsthalle Nürnberg // bis 14.02.2010
- David Lynch // Dark Splendor // Max Ernst Museum Brühl // bis 21.03.2010
- F. C. Gundlach // Das fotografische Werk // Gropius-Bau Berlin // bis 14.03.2010

Der Autor und sein Verleger

Ein Auszug aus dem am 7. Dezember auf 869 pompösen Seiten erschienen Buchs, das den Briefwechsel zwischen Thomas Bernhard und seinem Verleger Siegfried Unseld dokumentiert. Eine brillant formulierter Schmähbrief von entzückender Dreistigkeit, wenn man so will die Zeilen eines beleidigten Kindes:

Lieber Doktor Unseld,
wenn ich bedenke, mit was für einem gigantischen Werbeaufwand Sie sich über drei Monate lang für Herrn Walsers Buch [»Brandung«] ins Zeug legen, während Sie für meine »Alten Meister« fast nichts getan haben, obwohl Sie wissen, dass heute Werbung beinahe alles ist, könnte mir die Lust an einer Zusammenarbeit mit dem Verlag schon vergehen. Aber ich schreibe ja für mich und nicht für den Verleger und um Geld geht es ja wirklich nicht...

Ihr
Thomas Bernhard


Quelle: Zeit Online